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9. Interview: geophon Hörbücher im Download
René Wagner im Gespräch mit dem geophon Verleger Matthias Morgenroth
Wagner: Aus welchen Gründen haben Sie sich dazu entschlossen, Hörbücher zum Download anzubieten?
Morgenroth: Der Download ist für uns eine ideale Ergänzung zum Buchhandelsvertrieb und wird den Buchhandel auf keinen Fall ersetzen. Gerade bei Sachthemen wie eben auch den von uns präsentierten Städte- und Regionenporträts bietet sich der Download an. Der Hörer kann im Internet vorab hineinhören und sich einen Eindruck von unseren Hörreisen verschaffen und wird durch den geringeren Preis angeregt auch noch nicht bekannte Produktionen "auszuprobieren". Das ist die Chance der sich etablierenden Verlage, die auch Produkte mit besonderen Schwerpunkten machen, eben wie wir. Unser Ziel ist u.a. den Bekanntheitsgrad von geophon zu steigern.
Wagner: Können Sie schon sagen, ob Sie sich nach der Testphase am Portal beteiligen werden? Welche Erwartungen stellen Sie an die neue "Einkaufsidee"?
Morgenroth: Wir werden uns nach der Testphase auf jeden Fall beteiligen, zunächst mit einer Auswahl aus unserem Programm. Es gibt noch viele Fragen zu klären, die im Moment noch diskutiert werden und auch Einzelproduktionen von uns mehr oder weniger betreffen, Fragen wie Lizenzrechte von Musik und Text für den Download, Gema etc. Die Hilfestellungen von soforthoeren.de Team sind da sehr motivierend. Unsere Erwartungen? Da wir ein innovatives Produkt anbieten hoffen wir auf diesem Weg auch neue Kunden zu erreichen: Hörer, die sich primär auf den Audiocontent konzentrieren und "Vielhörer" sind. Der geringere Preis und die Mobilität durch das mp3 Format und die mp3 Player zieht - so hoffen wir - auch Kunden an, die regelmäßig hören und viel unterwegs sind, bzw. viel "nebenbei hören" auf dem Weg zur Arbeit, im Bus etc. Dadurch erhoffen wir uns den Aufbau einer neuen Stammkundschaft.
Wagner: Viele Hörbuch-Fans freuen sich über ein Schmuckstück im Regal, das beim Download aber wegfällt. An wen richtet sich Ihr Angebot?
Morgenroth: Der Downloadkunde hat, so glaube ich, andere Bedürfnisse und Interessen: der Content als Datei ist ein "Gebrauchsgut", ähnlich wie bei einem Buch in einer einfachen Ausstattung, das man nur "wegen des Inhaltes" kauft, bzw. diesen Inhalt im weitesten Sinne braucht, sei es zu Informationszwecken oder um sich zu unterhalten. Dieses "Gebrauchsgut" wird sich eben nicht an Kunden richten, die ein hochwertiges Geschenk suchen, die das Hören und das damit verbundene Produkt als ganzes "genießen" wollen. Ich glaube, dass sich vor allem Sachthemen im Download durchsetzen werden. Die bisherigen Erfahrungen aus den großen amerikanischen Downloadportalen zeigen den hohen Anteil an Sachthemen bis hin zur Audiofassung der aktuellen Tageszeitung. Auch die Entwicklung der Geräte - und die Portale sind eben, ein Vor- und ein Nachteil zugleich, auf die Geräte und deren Ausstattung angewiesen - wird die Zielgruppe und den Einsatz des Contents bestimmen. Geräte, die so klein sind wie ein Stift oder eine Uhr könnten zu einem ständigen Begleiter werden auf dem Weg zur Arbeit, im Bus, wenn ich warte etc. . Die Speicher machen es möglich, in einem kleinen Medium eine große Auswahl an Content zu speichern und geben dem Hörer dann die Möglichkeit spontan zu wählen, auch wenn er unterwegs ist. Die Mobilität ist ein wichtiges Kriterium im Download, neben dem geringeren Preis.
Wagner: Welche Vor- und Nachteile sehen Sie bei der Vertriebsmöglichkeit über das Internet?
Ein entscheidender Vorteil ist, dass man auch Produkte ausprobieren kann, bevor man sie in die Pressung gibt. Der Buchhandel bedarf z.B. einer schon ausgefeilten Reihenkonzeption, um neue Produkte zu platzieren. Im Download könnten wir Produkte einer neuen Reihe testen, mehr über die Akzeptanz erfahren etc. Eine Zukunftsvision ist auch, dass wir unsere CDs in anderen Sprachen über den Download verkaufen können. Warum sollte sich nicht ein Amerikaner eine englischsprachige geophon Produktion über Berlin zur Vorbereitung seiner Reise herunterladen - ein Vertriebsnetz in Amerika aufzubauen ist für uns im Moment keine Alternative.
Wagner: Der Buchhandel als klassischer Vertriebsweg für Hörbücher betrachtet die Entwicklung mit Sorge - zu Recht?
Morgenroth: Da unsere Buchhandelsausstattung sehr hochwertig ist, sehen wir den Download auch nicht als Konkurrenz zum Buchhandelsprodukt, sondern als ein eigenständiges Produkt für eine neue Zielgruppe. Download und Buchhandel ergänzen sich und bedienen unterschiedliche Kunden, die im besten Fall beide Vertriebswege nutzen. Ich bin recht optimistisch, dass man eher neue Kunden gewinnen kann, die dann ein Hörbuch auch in der schönen Ausstattung z.B. als Geschenk kaufen, das sie vorher für sich persönlich zum "Gebrauch" heruntergeladen haben. Nichts kann das Gespräch und die Beratung im Buchhandel ersetzen. Darüber hinaus kann der Buchhändler dadurch, dass CDs nicht preisgebunden sind flexibler mit Angeboten umgehen, z.B. Aktionen machen etc. Für uns ist es eine Herausforderung, gerade in Abgrenzung zum Download die Buchhandelsauflage in der Ausstattung besonders attraktiv zu machen durch aufwendiges Booklet, Stadtplan, Kartonageverpackung, ansprechende Grafik etc.
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